Authors Name: 
Hannah Baker
University: 
Durham University
Category: 
Languages & Linguistics
Highly commended

Wie tragen die weiblichen Hauptfiguren in Iphigenie auf Tauris und Der gute Mensch von Sezuan zur Darstellung der Gerechtigkeitskonzepte der Dramatiker bei?

In diesem Aufsatz werden die Gerechtigkeitskonzepte von Brecht und Goethe mit Blick auf die weiblichen Hauptfiguren in Iphigenie auf Tauris und Der gute Mensch von Sezuan betrachtet. Obwohl die zwei Frauenfiguren häufig von Kritikern besprochen werden, gibt es immer noch eine Tendenz, sie als Symbole für die Einstellungen der Dramatiker gegenüber Frauen zu sehen, statt sie als Instrumente wahrzunehmen, die zur Darstellung der radikalen Gerechtigkeitskonzepte ihrer Schöpfer beitragen. Obwohl viel über die zwei Texte geschrieben wurde, wurden sie noch nie nebeneinander betrachtet. Zwar stellen Goethe und Brecht sehr unterschiedliche Gerechtigkeitstheorien dar, gleichwohl ist der große Einfluss Goethes auf Brecht nicht zu vergessen. Dieser Aufsatz zeigt, dass trotz der vielen Unterschiede zwischen den beiden Dramen sowohl Goethe als auch Brecht eine weibliche Hauptfigur verwenden, um ihre einmalige Einstellung zur Gerechtigkeit aufzuzeigen. Goethe stellt der Mann der Frau gegenüber, um die verschiedenen Elemente der Gerechtigkeit kritisch zu betrachten. Brecht invertiert Goethes Gerechtigkeitskonzept und sieht die Frau als Verkörperung der Ausbeutung durch den Kapitalismus, deren Taten die Unnatürlichkeit der Gesellschaft unter diesem System unterstreichen. Doch für beide Dramatiker steht die idealisierte weibliche Hauptfigur für die Emotion, die als unentbehrlicher Bestandteil der Gerechtigkeit in den jeweiligen Gesellschaften nicht richtig wahrgenommen wird.